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Der Fridolinustag. 33
Itzt ein ſteinern Standbild kündet?
Ja, er ward ein großer Heil'ger,
Ihn verehrt als Schutzpatron noch
Heut das Rheintal; auf den Bergen
Läßt der Bauersmann noch heut den
Erſtgebornen Fridli taufen.
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Wohlgemut am ſechſten Märzen
Schied jung Werner aus dem Pfarrhof,
Dankend ſchüttelt er die Hand dem
Biedern Pfarrherrn, der ihm freundlich
Glück auf ſeine Fahrten wünſchte.
Auch die Schaffnerin war völlig
Ausgeſöhnet mit dem Gaſte,
Und verſchämt errötend ſchlug ſie
Ihre alten Augen nieder,
Als jung Werner ſcherzend ihr zum
Abſchied eine Kußhand zuwarf.
Bellend ſprangen beide Hunde
Weit noch mit dem Reitersmann.
Freundlich ſchien die Märzenſonne
Auf die Stadt Sankt Fridolini;
Leis verhallten von dem Münſter
Feierliche Orgeltöne,
Als jung Werner durch das Tor ritt.
Eilig ſucht' er für ſein Rößlein
Unterkommen — und er ſchritt dann
Nach dem buntbelebten Marktplatz,
Schritt hinauf zum grauen Hochſtift,
Zum Portal entblößten Hauptes
Trat er und erſah den großen
Feſtzug itzt vorüberziehn.
In der Kriegsnot lag geflüchtet
Der Reliquienſchrein des Heil'gen
In der Laufenburger Feſte.
Die im Städtlein hatten ſeine
Scheffel. I. 3
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