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Drittes Stück.
Gegenwart oft ſchwer vermißt, und
Jetzt, wo Frieden in dem Land war,
Trachteten mit neuem Eifer
Sie den Heil'gen zu verehren.
Am Beginn des Zuges war die
Schar der Kinder, feſtesfreudig.
Aber wenn ſie luſtig ſcherzten,
Kam der graue Oberlehrer,
Zupft' ſie ſcheltend an den Ohren:
„Still geblieben, kleines Völklein!
Hütet euch, ſolch loſes Schwatzen
Möcht' Sankt Fridolinus hören,
Der iſt ein geſtrenger Heil'ger,
Der verklagt euch in dem Himmel.“
Zwölf Jünglinge trugen dann den
Sarg, geſchmückt mit Gold und Silber,
Barg des Heiligen Gebein er.
Trugen ihn und ſangen leiſe:
„Der du hoch im Himmel wohneſt,
Schaue gnädig auf dein Städtlein,
Schließ es gnädig ins Gebet ein,
Fridoline! Fridoline!
Leih auch fürder deinen Schutz uns,
Wolle gnädig vor Gefahren,
Krieg und Peſtilenz uns wahren,
Fridoline! Fridoline!
Der Dechant und die Kapläne
Folgten ihnen, — kerzentragend
Schritt der junge Bürgermeiſter,
Schritten die wohlweiſen Ratsherrn
Und die andern Würdenträger:
Amtmann und Renteiverwalter,
Syndikus, Notar und Anwalt,
Auch der alte Oberförſter.
(Der nur des Decorums halber,
Denn mit Prozeſſion und Kirche
Stand er nicht auf beſtem Fuße,
Betet' lieber drauß im Walde.)
Selbſt der Weibel und Gerichtsbot'
Saßen heut zu dieſer Stunde
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