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Jung Werners Rheinfahrt. 43
Sich nach Menſchen ſehnt und Rückkehr.
Fürcht' dich nicht, ich kenn' die Liebe.
Wird mir's ſelber doch noch immer
Eng ums Herz, wenn ich des Schwarzwalds
Berge grüß' — und jubelnd ſtürz' ich
Über die Schaffhauſer Felſen,
Schlag' mich mutig, wellenſchäumend
Durch die Laufenburger Enge,
Denn ich weiß, bald eilt mein liebes
Schwarzwaldkind, die junge Wieſe,
Still verſchämt mir in die Arme,
Und ſie plaudert mir in rauher
Alemann'ſcher Sprach' vom Feldberg,
Von den mitternächt'gen Geiſtern,
Von Bergblumen, von den großen
Hauben und vom Durſt in Schopfheim.
Und ich lieb' ſie, nimmer ſchau' ich
Satt mich an den blauen Augen,
Und ich lieb' ſie, nimmer küſſ' ich
Satt mich an den roten Wangen.
Oft renn' ich wie du, ein Träumer,
Wirr vorbei am alten Baſel,
Argre mich an den langweil'gen
Steifen Ratsherrn, ruinier' auch
Im Vorbeigehn ein Stück Mauer,
Und ſie glauben, es ſei Zorn, was
Doch nur Übermut der Liebe.
Ja, ich lieb' ſie — es verfolgen
Mich viel andre ſchöne Damen,
Keine — ſelber nicht die ſtolze
Weinesreiche Moſel tilgt mir
Die Erinn'rung an die ſchmucke
Feldbergstochter, an die Wieſe.
Und wenn ich im Sand von Holland
Müd' die müden Wellen ſchleppe
Und die Windmühl' trocken klappert,
UÜberfliegt mich's oft wie ſüßes
Heimweh nach der Jugendliebe,
Und es tönt mein dumpfes Rauſchen
Weithin durch die kahlen Felder,
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