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Der Freiherr und ſeine Toch 49
„Donnerwetter! in dem langen
Böſen dreißigjähr'gen Kriege
Hat ſogar das Zipperlein
Von der Kriegskunſt was gelernt.
Regelrecht beginnt's den Angriff
Und ſchickt erſt die Tirailleure
Plänkelnd vorwärts, — dann mobile
Streifkolonnen — mög' der Teufel
Die Rekognoſzierung holen! —
Aber nicht genug — als ſäße
Mir im Herzen eine Feſtung,
Brummt's als wie Kartaunengrüße,
Zuckt's, als würde Sturm gelaufen,
Piff! paff! ich kapituliere.“
Jetzt gerad' war Waffenſtillſtand
Eingetreten — und behaglich L
Saß der Freiherr — aus dem Steinkrug
Einſchenkt' er den großen Humpen.
Dort bei Hallau, wo die letzten.
Hügel von dem hohen Randen
Sich zum Rhein herniederſenken,
Wo der Winzer bei der Arbeit
ernher des Schaffhauſer Falles
romgewaltig Rauſchen hört:
Hatte liebevoll die Sonne
Ausgekocht den würz'gen Rotwein,
Den der tapfre Freiherr ſtets als
Veſpertrunk zu ſchlürfen pflegte.
Zu dem Weine aber blies er
Schwere Wolken ſchweren Tabaks;
In ſchmuckloſem, rotem Tonkopf
Brannte das fremdländ'ſche Rauchkraut,
Und er ſchmauchte es aus langem,
Dunkelm, duft'gem Weichſelrohr.
Zu des Freiherrn Füßen ſtreckte:
Zierlich ſich der biedre Kater
Hiddigeigei mit dem ſchwarzen
Samtfell, mit dem mächt'gen Schweif.
Scheffel. I. 4
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