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Der Ausritt zum Bergſee. 71
Saß der Freiherr, feſtgegoſſen
Wie ein ehern Reiterſtandbild.
Ihm zur Seit' auf weißem Zelter
Ritt die ſchöne Margareta.
Zierlich ſchmiegte um den ſchlanken
Leib des Reitkleids Faltenwurf ſich,
Zierlich von dem ſamtnen Hute
Wallt' der blaue Schleier nieder.
Keck und ſicher lenkte ſie ihr
Rößlein, dieſes freut ſich ſelber
Seiner leicht anmut'gen Bürde.
Sorgſam folgt' der treue Anton
Seiner Herrin, auch jung Werner
Trabte fröhlich mit, doch ritt er
Nicht in Margaretas Nähe.
Weiter rückwärts fuhr bedächtig
Der Frau Fürſtabtiſſin ſchwere
Uraltmodiſche Karoſſe;
Drin drei Damen aus dem Stifte,
Ebenfalls ehrwürd'gen Alters.
Sie geleitete jung Werner.
Viel verbindlich feine Worte
Sagte er den alten Fräulein,
Riß auch im Vorüberreiten
Einen Blütenzweig vom Baum und
Reicht' ihn artig in den Wagen,
So daß leiſe flüſternd wohl die
Eine zu der andern ſagte:
„Schad', daß er kein Kavalier iſt!“
Steil bergauf zog ſich die Straße,
Und des Tannwalds ſchattig Dunkel
Nahm den Zug itzt auf, doch balde
Glänzte durch die ſchwarzen Stämme
Silbern hell die Flut des Bergſees;
Und ſchon ſchallt' ein frohes Jauchzen
Aufwärts, denn auf näherm Fußſteig
War die junge Schar vom Städtlein
Schon am Ufer angelangt.
Auf der Höhe, wo die Straße
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