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Siebentes Stück.
Wilddieb löſ' und mitternächtig
Fiſchend drauf den See befahre.
Den nun zogen ſie herfür aus
Sicherem Verſteck zum Ufer,
Trugen drein das ſchwere Netz dann.
Maſchenreich und gut geſtrickt von
Rauhem Garn war's — Bleigewichte
Hingen mannigfach dazwiſchen.
Prüften drauf den Kahn, ob nirgends
Leck er ſein mög': der erfand ſich
Etwas morſch zwar, doch ſeetüchtig.
Ihn beſtieg nun mit fünf andern
Wohlgemut der biedre Knopfwirt,
Gab das eine End' des großen
Netzes denen an dem Ufer,
Daß ſie's feſt und ſorgſam hielten,
Und ſie ſtießen nun vom Land ab,
Kräftig rudernd; weit im Halbkreis
Senkten ſie das Netz zum Grund.
Fuhren langſam dann zurücke,
Nach ſich ſchleppend ſtets des Netzes
Schwere Maſſe, daß ohn' Ausweg
Sich die Fiſche drein verfingen;
Sprangen ans Geſtade dann und
Zogen zu ſich her die Garne,
Bis ſie denen an dem Ufer
Nahe waren, dann mit ſtarkem
Ruck an beiden Enden hoben
Das Genetz ſie aus den Fluten,
Reicher Beute ſchon gewärtig.
Aber in ſich ſelbſt verwickelt
Hob ſich's langſam, hob ſich und war
Leer, — ein ungeſchickter Rud'rer
Hatt' am Sinken es verhindert,
Lachend war der Seebewohner
Diesmal der Gefahr entronnen.
Scharfen Blickes ſpürt der Knopfwirt
Rings in allen Maſchen, — ringsum
Troff ihm Waſſer nur entgegen,
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