http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0142
Der Ausritt zum Bergſee. 75
Doch kein Fiſchlein wollt' ſich zeigen.
Nur ein namhaft alter Stiefel
Und 'ne plattgedrückte Kröte.
Dieſe ſah mit ſonderbaren
Augen auf den ſonnbeglänzten
Tannenwald und auf die Menſchen.
Und ſie dacht': „Es iſt doch wahrhaft
Unbegreiflich, wie bei ſolcher
Sonn' und unter ſolchem Himmel
Man des Lebens ſich erfreu'n mag.
's ſcheint, daß die hier oben keine
Ahnung haben von dem Sumpf und
Seiner Pracht; o ſäß' ich wieder
Im elementaren Grundſchlamm!“
Die am Ufer hoben nun ein
Unauslöſchliches Gelächter
Ob des erſten Fiſchzugs Segen.
Doch im Zorn entbrannt' der Knopfwirt,
In das Lachen tönt' ſein Scheltwort:
„Dumme Jungen — Pfuſcher — Strohköpf'!“
Und mit grimmem Fußtritt ſchleudert'
Er die Beute fort, es flog der
Stiefel und die Kröt' einträchtig
Nach der Flut, der ſie entſtiegen.
Hellaufplätſchernd klang ihr Fall dort.
Nun zum andernmal verſuchten
Die Getäuſchten ihren Glücksſtern,
Löſten die verſchlung'nen Maſchen,
Warfen dann das Netz vorſichtig
In den Grund und hoben's ſorgſam.
Manchen kräft'gen Ruck und Armdruck
Braucht' es jetzo, es zu heben.
Helles Hurra! und Halloruf
Grüßte den gelung'nen Fiſchzug.
Von dem Hügel ſtieg der Freiherr
Zu den Fiſchern, und neugierig
Wollten's auch die Damen ſchauen.
Über Fels und Strauchwerk ſuchten
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0142