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Der Ausritt zum Bergſee. 77
Seekrebs durch das Fiſchgewimmel,
Brummte traurig durch die Zähne:
„Mitgefangen, mitgehangen!“
Wohlzufrieden ſprach der Freiherr:
„Nach der Arbeit ziemt Erholung.
Und mir ſcheint, die friſche Beute
Wird am beſten hier im friſchen
Wald euch ſchmecken — laßt uns hier ein
Ländlich einfach Mahl bereiten.“
Sprach's; ſein Wort gefiel den andern,
Und der Wirt zum gold'nen Knopfe
Sandte zwei ſchnellfüß'ge Burſche
Nach dem Städtlein mit der Weiſung:
„Bringt der größten Pfannen zweie,
Bringt mir gelber Butter Vorrat,
Bringt mir Salz und Brot die Fülle
Und 'nen Schlegel alten Weins,
Bringt Zitronen auch und Zucker,
Ahnung ſagt mir: eh' die Sonne G
Sinkt, wird Maiwein hier getrunken.“
Sie enteilten, — bei den Felſen,
Wo vor Wind die Tanne ſchützte,
Richteten den Herd die einen,
Schleppten dürre Zweig' und Reiſig,
Moos und Ginſter auch zuſammen;
Andre rüſteten die Fiſche
Zu dem Schmauſe, doch die Damen
Sammelten viel duft'ge Pflanzen:
Brachen Gundelreb' und Erdbeer',
Brachen den weißaufgeblühten
Maiweinwürzenden Waldmeiſter.
Dieſer freute ſich der zarten
Hände, die ihn brachen, ſagte:
„Schön war's, hier im dunkeln Taunwald
Zwiſchen Felſen ſtill zu blühen,
Aber ſchöner noch, im Mai zu
Sterben, mit dem letzten Hauche
Freudbedürft'gen Menſchenkindern
Ihren Maiwein mild durchwürzend.
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