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Der Ausritt zum Bergſee. 81
Daß er dem entgegen wäre.
Drum vom Reſt des heut'gen Fiſchfangs
Sei der größte Hecht, der größte
Karpfen ihm jetzt zugewieſen.
Doch mein junger Herr Trompeter
Iſt ein Mann von minder prakt'ſcher
Denkart, — dieſem könnt meinthalben
Ihr das Ehrenkränzlein ſpenden,
Denn er hat nicht ſchlecht geblaſen.“
Schmunzelnd rieb des Mailieds Sänger
Sich die Händ', er pries den Maien,
Und prophetiſch hört' er ſchon die
Fiſch' in ſeiner Pfanne praſſeln.
Doch jung Werner naht' dem Fräulein
Schüchtern ſich, und ſchüchtern beugte
Er das Knie, nicht wagt' er's, in das
Blaue Aug' hinaufzuſchaun.
Margareta aber huldvoll
Setzt' aufs blonde Haupt den Kranz ihm,
Und mit geiſterhaftem Lichtglanz G
Flammte auf die Gruppe jetzt ein
Greller Feuerſchein hernieder.
Von des Herdes Gluten wollt' die
Alte Tann' in Brand geraten,
Leckend züngelten die Flammen
Durch die harzgetränkten AÄAſte,
Und die Funken flogen kniſternd
Wild empor zum Abendhimmel.
Margareta, Margareta?
War's ein Feuerwerk, das artig
Und galant der Wald abbrannte,
Oder war's die Liebe, die mit
Heller Fackel durch den Wald ſchritt?
Doch der Brand war bald gelöſchet,
Und der Freiherr kommandierte
Jetzt den Rückzug, fröhlich zogen
Fiſcher, Reiter, Edeldamen
Heimwärts in der Abenddämm'rung.
Scheffel. I. L 6
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