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Das Konzert im Gartenpavillon. 89
Am zerriſſnen Wolkenhimmel
Mild der Regenbogen aufſteigt:
Alſo folgt' dem Uniſono
Jetzt ein zart Trompeterſolo.
Werner blies es; leis und ſchmelzend
Floh der Klang aus der Trompete.
Doch verwundert ſchaute mancher
In das Notenheft — verwundert
Stieß den Kapellan der Lehrer
An den Arm und raunt ins Ohr ihm:
„Hört Ihr, wie er bläſt? So ſteht's ja
Gar nicht in der Partitur.
Lieſt er etwan ſeine Noten
Aus des gnäd'gen Fräuleins Aug'?“
Rühmlich wurde das Konzert zum
End' geführt, — erſchöpfet ſaßen
Dann die Spieler, doch getröſtet
Im Bewußtſein des Gelungnen.
Und es wendete zu ihnen
Der Prälat ſich von Sankt Blaſien.
Fein verbindlich, als ein Kenner
Und gewiegter Staatsmann ſprach er:
„Schwerer Krieg hat ſchwere Wunden
Unſerm Heimatland geſchlagen,
Und es hat in deutſchem Gau die
Roheit allzuſtark geherrſcht.
Lobwert drum iſt's, in der Muſen
Stillem Hain ſich auszuruhen,
Das erquickt und wirkt veredelnd,
Sittigt die Gemüter merklich,
Streit und Kriegeslärm verſtummen.
Was hier an den Wänden pranget,
Zeugt von nicht gemeinem Streben,
Und was erſt mein Ohr vernommen,
Läßt mich Hohes denken von den
Männern, die es ausgeführt;
Hat mich ſchier an junge Tage,
Hat an Welſchland mich erinnert,
Als zu Rom ich Cavalieris
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