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Neuntes Stück.
Weiter — ach wer weiß wohin?
Dennoch kann ſie's nimmer laſſen.
Ungefüge Greueltöne,
Schneidend falſche Diſſonanzen
Bläſt ſie in die Morgenſtille,
Daß dem Kater Hiddigeigei
Sein angoriſch langes Fellhaar
Sich wie Igelſtacheln aufſträubt,
Und das Ohr ſich mit der Pfote
Sanft verhaltend ſprach der Biedre:
„Dulde, tapfres Katerherze,
Das ſo vieles ſchon erduldet,
Duld' auch dieſer Jungfrau Blaſen! L
Wir, wir kennen die Geſetze,
Die dem alten Schöpfungsrätſel,
Die dem Schall zugrunde liegen,
Und wir kennen ihn, den Zauber,
Der unſichtbar durch den Raum ſchwebt,
Der ungreifbar wie ein Schemen
In die Gänge des Gehörs dringt
Und in Tier — wie Menſchenherzen —
Liebe, Sehnſucht und Entzücken,
Raſerei und Wahnſinn aufſtürmt.
Und doch müſſen Wir erleben,
Daß, wenn unſre Katerliebe
Nächtlich ſüß in Tönen denkt, L
Sie den Menſchen Spott nur abringt,
Daß als Katzenmuſica man
Unſre beſten Werke brandmarkt.
Und doch müſſen Wir erleben,
Daß dieſelben Menſchenkinder
Solche Tön' ins Daſein rufen,
Wie ich eben ſie vernahm.
Solche Töne, ſind ſie nicht ein
Strauß von Neſſel, Stroh und Dornen,
Drin die Diſtel ſtechend prangt?
Und kann angeſichts des Fräuleins,
Das dort die Trompete handhabt,
„Noch ein Menſch, ohn' zu erröten,
Die Muſik der atzen ſchelten?
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