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Jung Werner in der Erdmannshöhle.
Zwar ein Lied noch ohne Worte;
Doch ſie ahnten ſeinen Inhalt,
Und ſie bargen unter Scherzen
Dieſer Ahnung Seligkeit.
Von den Tönen angefochten,
Kant der Freiherr, Rundſchau haltend,
Wollte zürnen, doch es wandelt'
Bald der Grimm in heitre Luſt ſich,
Da ſein Kind ihm die Fanfare
Seiner alten Reiter blies. .
Heiter ſprach er zu jung Werner:
„Ihr entfaltet ja in Eurem
Kunſtberuf 'nen Feuereifer.
Wenn das ſo fortgeht, ſo können
Wir noch Wunderding' erleben:
Selbſt die Stalltür, die im Zugwind
Unmelodiſch knarrt und ſtöhnet,
Selbſt die Fröſch' im Wieſenteiche
Werden noch am End' von Eures
Blaſens Allgewalt bekehrt.“
Werner aber hielt hinfüro L
Die Trompete für ein Kleinod,
Das der reichſte Basler Kauffherr
Mit dem ſchwerſten Basler Geldſack
Nicht vermöcht' ihm abzukaufen:
Hatten Margaretas Lippen
Ja die Strahlende berührt!
Zehntes Stück.
Jung Werner in der Erdmannshöhle.
Von dem Feldberg trägt ein wilder
Waldbach ſchäumend ſeine Fluten
Zu dem Rhein, — man heißt ihn Wehra.
In dem engen Tal dort ſteht ein
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