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Jung Werner in der Erdmannshöhle. 103

Klugen Auglein blitzten ſeltſam.
Sorgſam ließ er des Gewandes
Enden zu der Erde wallen
Und ſprach hinkend: „Herr, Ihr habt mich
Unſanft auf den Fuß getreten.“
— Sprach jung Werner: „Das bedau'r ich.“
Sprach das Männlein: „Und was ſucht Ihr
Überhaupt in unſerm Tal?“
Sprach jung Werner: „Keinenfalles
Such' ich die Bekanntſchaft ſolcher
Ganz zweckwidrig kleiner Männlein,
Die wie Heuſchrecken im Graſe
Hüpfen und ſo unnütz fragen.“ L
Sprach das Männlein: „O ſo ſprecht ihr
All, ihr plumpe, rohe Menſchen!
Tappt mit euren groben Füßen,
Daß der Boden drunter zittert,
Und ihr haftet doch nur auf der
Oberfläche gleich den Käfern,
Die in Baumesrinde niſten!
Glaubt, ihr ſeid die Herrn der Erde,
Und wollt nichts von denen wiſſen,
Die in Höhen, die in Tiefen —”
Stilr⸗ geräuſchlos, mächtig walten!
O ihr plumpe, rohe Menſchen!
Ihr verſchließt euch hinter Mauern
Und erzieht in eurer Schädel
Treibhaus mühſam ein'ge Pflänzlein,
Nennt ſie Kunſt und Wiſſenſchaft — und
Seid noch ſtolz auf dieſes Unkraut:
Traun, bei Bergkriſtall und Kalkſpat!
Vieles müßt ihr noch erlernen,
Bis das rechte Licht euch aufgeht!“

Sprach jung Werner: „Glück für Euch, daß
Friede heut mir im Gemüt wohnt;
Hätt' ſonſt gute Luſt, zum Dank für
Dieſe Kapuzinerpredigt
Euch am langen grauen Bart dort
An den Stechpalmſtrauch zu küpfen!


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