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Jung Werner in der Erdmannshöhle. 109

Doch allmählich ward er ſtummer;
Fragt' ich, was ihm fehl', ſo reicht' er
Lächelnd mir die Hand und ſprach:
„Erdmann, ſchöne Lieder weiß ich,
Doch das ſchönſte hab' ich noch nicht
Dir verraten, das heißt Schweigen.
Schweigen — Schweigen: o fürtrefflich
Lernt es ſich in deiner Höhle, G
Tiefe ſchafft Beſcheidenheit.
Aber kalt wird's, kalt hier unten,
Erdmann! und mein müdes Herz friert.
Erdmann, wißt Ihr auch, was Lieb' iſt?
Wenn du einſtmals nach Demanten
Gräbſt und find'ſt ſie — nimm ſie mit dir,
Pfleg ſie gut in deiner Höhle.
Wirſt dann nimmer frieren, Erdmann!“

Alſo klang ſein letztes Wort mir.
Schweigend ſitzt er nun ſeit Jahren
Dort am Fels, — iſt nicht geſtorben,
Lebt auch nicht, es wandelt langſam
Sich der ſtille Mann in Stein um.
Und ich pfleg' ihn; tiefes Mitleid
Hab' ich um den ſtillen Gaſtfreund,
Laß ihm oft den Klang der hohlen
„Säulen ſeine Still' erheitern,
Und ich weiß, er hört es gern.
Ohne Euch zu nah zu treten,
Glaub' ich, Ihr auch ſeid ein Spielmann;
Mögt als Dienſt drum, den Ihr botet,
Meinem ſtillen Mann eins ſpielen.“

Sprach's; — wehmütig griff jung Werner
Zur Trompete, und wehmütig
Klang ſein Blaſen durch die Höhle,
Wie durchhaucht von tiefem Mitleid.
Dann gedacht' er ſeiner eignen
Lieb' — wie ferner Jubel zogen
Heitre Klänge durch die Wehmut,
Zogen näher, — friſcher, voller.


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