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Der Hauenſteiner Rummel. 113
Sprach's mit ſchlau gekniffnen Augen,
Sprach's, auf einem Sägklotz ſtehend:
„Merkt ihr endlich, dumme Bauern,
Wo's hinaus will? Eure Väter
Gaben einſt den kleinen Finger,
Jetzo packt man ſchon die Hand euch;
Gebt ſie nur! — in kurzem ziehen
Sie das Fell euch ganz vom Leib!
Wer hat Recht uns zu befehlen?
rei im Tannwald hauſt der Bauer,
ber ihm ſteht nur die Sonne:
Alſo iſt's in unſern Rodeln,
Iſt's im Einungsbuch zu leſen;
's ſteht nichts drin von Zins und Fronden
Und leibeigner Dienſtbarkeit.
Doch ſie kommt, wenn ihr nicht abwehrt.
Wißt ihr, wer dagegen Schutz gibt?
Könnt' es drüben bei den Schwyzern
Und im Appenzell erfragen:
Der da!“ — und er ſchwenkte grimmig
UÜberm Haupt den Morgenſtern —
„Und vom Tannbaum pfiff mir jüngſt um
Mitternacht ein weißer Vogel:
Alte Zeiten, gute Zeiten,
Freie Bauerſchaft im Walde:
So Ihr ſie mit Spieß und Flinten
Sucht, werd't ihr ſie wiederfinden.
Amen jetzt! Ich hab' geſprochen. “
Wild Geſchrei ertönt' im Haufen.
„Der Mann ſagt's uns,“ ſprach ein mancher
Und: „Zum Teufel mit der Herrſchaft!
Feuer in die Steuerliſten!
Die Herrn Schreiber ſollen ſehen,
Ob mit ihren Tintenfäſſern
Sie das Feu'rlein löſchen können!“
Sprach ein andrer: „Waldvogt, Waldvogt!
Haſt mich jüngſt in Turm geworfen,
Schmale Atzung, Brunnenwaſſer!
Gdeffel. I. 8
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