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Der Hauenſteiner Rummel. 11⁵
Und desſelben Tags noch zog der
Helle Haufen in das Rheintal,
Die Waldſtädte zu berennen.
Drauß im Forſt, vom Tannenaſte,
Sah der Waldgeiſt Meyſenhartus
Höhniſch auf den Bauernheerzug.
Sprach: „Glück auf die Reiſ', ihr Herren!
Euch brauch' ich nicht irr zu führen,
Seid auf einem guten Holzweg!“
Boten reiten, Wächter blaſen,
Frauen jammern, Kinder ſchreien,
Durch das Tal ertönt die Sturmglock'.
Bürger rennen durch die Gaſſen:
„Schließt das Tor, beſetzt die Mauer,
Schafft zum Turme die Kartaunen!“
Vom Balkone ſchaut der Freiherr,
Schaut, wie ſich's im Tannwald regte,
Wie von allen Bergespfaden
Dunkle Maſſen niederſtiegen.
„Träum' ich oder wach' ich?“ ſprach er,
„Hat der Bau'r vergeſſen, daß vor
Mehr als hundertfünfzig Jahren
Schon ſolch Spaßen ihm gelegt ward?
Glaub' wahrhaft, es blitzt vom Wald wie
Pickelhauben und Hallparten.
Gut gedacht, ihr Herrn vom Walde!
Während an der Donau unten
Jetzt dem Türk' der Kaiſeradler
Seine Fäng' verſpüren läßt:
Glaubt ihr, könnt' man ihm ſo leichthin
Hier am Rhein 'ne Feder rupfen!
Seht euch vor, daß eure Rechnung
Sich nicht falſch zeig', und am alten
Freiherrn ſoll es heut nicht fehlen,
Euch ein Süpplein einzubrocken. “*
Sprach's und ging hinab zur Stube,
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