http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0184
Der Hauenſteiner Rummel. 117
Macht' ein bang Geſicht, als wär' der
Jüngſte Tag hereingebrochen;
Manchem fielen ſeine Sünden
Zentnerſchwer aufs Herz, er ſeufzte:
„Schütz' uns Gott vor dieſer Landplag',
Und ich will zeitlebens nie mehr
Geld auf hohe Zinſen leihen,
Waiſengut unrecht verwalten,
Sand in das Gewürze tun.“
Einer hatt' auch ſchon beantragt:
„Schickt dem Bauer Fleiſch und Weines
Eine Lief'rung vor das Tor und
Ein paar Dutzend Golddublonen,
Daß er ſeines Weges zieht,
Die in Waldshut mögen ſehen,
Wie ſie fertig mit ihm werden.“
Zu dem Stadtrat trat der Freiherr:
„Nun, ihr Herrn! glaub' ſchier, ihr hängt die
Köpfe — rüſtig an die Arbeit!
Als der Schwed'. vor euren Mauern
Lag, ſah's ernſt aus; heut iſt's nur ein
Faſtnachtſpiel; — ihr habt ja ſonſt euch
An der Muſica ergötzet L
Und verſteht euch auf den Brummbaß.
Friſch, ihr Herren vom Orcheſter!
Laßt eins ſpielen, — die vorm Tore
Werden ſchleunigſt heimwärts tanzen,
Eh' ein kaiſerlich Kommando
Ihnen das Finale bläſt.“
Sprach's. In Zeiten der Verwirrung
Wirkt am rechten Platz ein kräftig
Wort oft Wunder. Viele richten
An des andern Mut ſich ſelbſt auf,
Und an einem feſten Willen
Kräft'gen Hunderte den ihren. L
Nach des Freiherrn grauem Schnurrbart
Schaute herzgeſtärkt der Stadtrat:
„Ja, das iſt auch unſre Meinung;
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0184