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Eilftes Stück.
Woll'n das Städtlein tapfer halten,
Kommandieren ſoll der Freiherr!
Der verſteht's; — das Donnerwetter
Schlag' in die verfluchten Bauern!“
Durch die Straßen tönt' Alarmruf.
Zu dem Stadttor, wo der ſchmale
Erdwall nach dem Feſtland führt,
Schritt bewehrt die junge Mannſchaft.
Auf der Baſtion ſtand grimmig
Fludribus, der Freskomaler,
Der hatt' ein paar junge Burſche
Dort geſammelt, und ſie ſchleppten
Eine alte Wallkanone
Aufwärts, — lächelnd ſah's der Freiherr,
Aber Fludribus ſprach würdig:
„Wen die Kunſt geweiht, den ziert ein
Schatz univerſaler Bildung,
Gebt ihm Raum, als Staatsmann wie als
Feldherr wird er üb'rall groß ſein.
Scharfen Blicks hab' die Gefahr ich
Hier erkannt, doch wie Celliinn ·
Von der Engelsburg zu Rom einſt
Frankreichs Connetabel totſchoß:
So — auf leider ſchlechtre Feinde —
Kanoniert hier Fludribus!“
„Bringt ſie nur nicht all ums Leben!“
Sprach der Freiherr — „und verſchafft euch
Vorher Pulver auch und Kugeln.
Das Geſchütz, das ihr hier ſchleppt, wird
Schwerlich ſich von ſelber laden!“
Drauß, zum Rheinesufer, kam der
Bauern Schar jetzt; knurrend ſchauten
Sie des Städtleins hohe Mauern,
Sie das wohlverſchloſſne Tor.
„Füchslein ſitzt in ſeinem Loche,
Füchslein hat den Bau verrammelt,
Bauer wird das Füchslein graben.“
Rief der Bergalinger Fridli:
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