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Der Hauenſteiner Rummel. 119
„Vorwärts, will den Weg euch zeigen!“
Trommelwirbel ſchlug zum Sturme,
Schwere Hackenbüchſen krachten;
Durch den Pulverdampf, wild jauchzend,
Rannt' ein Trupp itzt gegen 's Tor hin.
In der Mauer Böſchung hatt' der
Freiherr rings des Städtleins Schützen
Wohl verteilt, und ſchweigend ſah er
Auf des wilden Haufens Anprall:
„Schad' iſt's,“ dacht er, „für die gute
Kraft, die unnütz hier verendet!
's ließ aus dieſen Lümmeln ſich ein
Trefflich Regiment formieren.“
„Feuer jetzt!“ ſchallt ſein Kommando.
In die Stürmer flog ein ſcharfer
Gutgezielter Kugelgruß, ſie
Stäubten fliehend auseinander
Wie die Krähn, wenn des verborgnen
Jägers Blei in ihren Schwarm ſchlägt.
Aber mancher lag auf kühlem
Grund; beim Apfelbaum am Ufer
Sprach mit matter Stimme einer
Zu dem fliehenden Gefährten:
„Grüß mir meine alte Mutter,
Grüß auch die Verena Frommherz,
Sag, ſie könn' getroſt vom langen
Uickerhann's den Trauring nehmen,
Denn der Seppli färbt mit ſeinem
Herzblut itzt den weißen Rheinſand!“
Während ſo am Tor ſcharmützt ward,
Spähten andre, ob das Städtlein
Sich vom Rücken packen ließe.
Unterhalb am Rheine ſtand ein
Lachsfang, große Fiſcherkähne
Lagen bei der Bretterhütte.
Dorthin kam ein andrer Haufen.
Ein verwegner Burſch von Karſau
Führte ſie, er kannte an dem
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