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Eilftes Stück.
Nieder raſſelte die Zugbrück'.
Allen vorwärts ſtürmte Werner
In den Haufen, überrannt' den
Burſchen, der den Weg gewieſen:
„Wenn der Degen ſtumpf iſt, Schurke,
Kommt's an dich, — dein harrt die Fauſt nur.“
Aus den Feinden ragt ein ſtarker
Kriegsmann, trotzig ſchaut' das Auge
Aus verwettertem Geſicht vor.
's war ein alter Wallenſteiner,
Den der Spaß an Kriegshantierung
In der Bauern Reihen führte.
„Hier iſt Stahl zu beißen, Alter!“
Rief jung Werner, ſeine Klinge
Sauſte ſchneidig durch die Lüfte,
Doch des Kriegsmanns Hellebarde
Fing den Hieb: „Nicht übel, Bürſchlein!
Hier die Antwort!“ — blutig träuften
Werners Locken; auf der Stirne
Klafft der Streich der Hellebarde,
Doch der ſie geſchwungen, führte
Keinen zweiten, — tief im Halſe,
Wo der Harniſch ihn nicht deckte,
Saß jung Werners Stahl; — er wankte
Noch drei Schritte — niederſank der
Arm ihm: „Teufel, ſchür dein Feuer,
Haſt mich bald!“ Tot lag der Alte.
Werner, ſchirm dein junges Leben!
Tobend ſtürzte ſich der Bauern
Haufen auf die wen'gen Männer;
An Kaſtanienſtamm gelehnet,
Matt noch mit dem Schwert ſich deckend,
Stand jung Werner, — um ihn hielten
Treu die Diener Widerpart.
Gnad' dir Gott! die Wunde brennet,
Aus der Fauſt entfällt der Degen,
Aug' umflort ſich — nach der blut'gen
Bruſt ſchon zuckt der Feindesſtahl.
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