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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0191
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Zwölftes Stück.

Zwölftes Stück.
Jung Werner und Margareta.

In der Schloßkapelle brennt ein
Einſam flackernd Lampenlichtlein,
Leuchtet mild auf das Altarbild,
Draus die Königin des Himmels
Gnädiglich herniederſchaut.
Vor dem Bilde ſtehen friſche
Roſen und Geranienſträuße,
Betend kniet dort Margareta:
„Schmerzgeprüfte, Gnadenreiche,
Die du unſer Haus beſchirmeſt,
Schirm auch ihn, den buſe Wunde
Krank aufs Krankenlager feſſelt,

Und verzeihe, ſo es etwan

Unrecht wäre, daß ich ſelber
Unabläſſig ſein gedenke.“

Hoffnung und Vertrauen ſenkten
Sich ins Herz mit dem Gebet.
Heiter ſtieg der Treppen Stufen
Margareta aufwärts; — an des
Kranken Schwelle ſtand der graue
Hausarzt, und er winkt' ihr, daß ſie
Leiſen Schrittes vorwärts gehe.
Ungefähr auch wußt' er, welche
Frag' an ihn gerichtet würde,
Sprach deshalb gedämpfter Stimme:
„Seid getroſt, mein gnädig Fräulein,
Friſches Blut und ſtarle Jugend
Krankt nicht lang an ſolchen Schmarren.
Schon hält der Geneſung Bote,
Milder Schlummer, ihn umfangen,
Heut noch darf er wieder ausgehn.“
Sprach's und ging; es harrte manche
Schuß⸗ und Hiebwund' ſeiner Pflege,
Und er mied unnützes Plaudern.


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