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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0192
Jung Werner und Margareta 12⁵

Leiſe in jung Werners Stube
Eintrat jetzo Margareta,
Scheu, neugierig ſchauend, ob der
Arzt ihr wahre Kunde gab.
Sanft entſchlummert lag jung Werner,
Blaß und jugendſchön, gleich einem
Marmorbildnis. Wie im Traume
Hielt er ob der Stirn' und ob der
Friſchvernarbten Wund' die Rechte,
So wie einer, der das Aug' vor
Blendend lichter Sonne deckt;
Um die Lippen ſpielt ein Lächeln.

Lange ſchaut' ihn Margareta —
Lang und länger, — alſo mocht' einſt
In des Ida Wäldern auf den
Süßen Schläfer, den Endymion,
Niederſchaun die Götterjungfrau.
Mitleid hielt ihr Aug' gebannet,
Ach! Und Mitleid iſt ein fruchtbar
Erdreich für das Pflänzlein Liebe.
Sie entſproßt aus unſichtbarem
Saatkorn dieſem reichen Boden
Und durchzieht ihn bald mit tauſend
Feinen feſten Wurzelfaſern.

Dreimal hatte Margareta
Schon den Schritt zur Tür gelenket,
Dreimal kehrte ſie zurück, und
Leiſe trat ſie an ſein Lager.
Auf dem Tiſchlein ſtand ein kühler
Heiltrank, ſtanden Arzeneien.
Doch ſie miſchte nicht den kühlen
Heiltrank, nicht die Arzeneien:
Beugte ſcheu zu ihm ſich nieder,
Scheu, — ſie wagte kaum zu atmen,
Daß kein Hauch den Schlumm'rer ſtöre,
Schaute lang auf das geſchloſſne
Aug', und unwillkürlich neigten
Sich die Lippen, — doch wer deutet


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