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Jung Werner und Margarea. 127
Waſſer ſtand ein Fiſchersmann und
Summt' ſein Liedel vor ſich hin:
„Bauer kommt mit Spieß und Flinten,
Bauer will die Waldſtadt ſtürmen,
Bauer will mit Sſtreich kriegen:
Bauer, das gibt insgemein
Teure Rechnung hinterdrein,
Greif in Sack und zahl den Spaß!
Sieben Gülden war zuviel dir,
Sind jetzt einundzwanzig worden;
Einquartierung, teure Gäfte,
Und das Pflaſter beim Chirurgus:
Bauer, das gibt insgemein
Teure Rechnung hinterdrein,
Greif in Sack und zahl den Spaß!“
Freudig ſah jung Werner in die
Landſchaft und zum Rhein hinunter,
Doch er hemmte die Betrachtung;
An der ſonnumglänzten Mauer
Sah er einen Schatten huſchen,
Schatten wie von Locken, wie von
Fraungewand, und Werner kannt' ihn.
Durch den Laubgang kam mit Lachen
Margareta, ſie beſah des
Katers grazioſes Spielen:
Der hatt' in dem Gartenhäuslein
Eine weiße Maus gefangen,
Fraß ſie nicht, nur mit den Pfoten
Hielt er ſie und ſchaut' mit gnäd'gem
Herrſcherblick auf die Gefangne.
Von dem Sitz erhob ſich Werner,
Ehrerbietig grüßend, und es
Flog ein flüchtiges Erröten
Über Margaretas Wangen:
„Gott zum Gruß, Herr Werner,“ ſprach ſie,
„Und wie geht's Euch? lang war Euer
Mund verſtummt, mit Freuden hör' ich
Kunde von ihm ſelber jetzt.“
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