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Jung Werner und Margareta. 129

Flammt das Herz und zuckt die Fauſt mir:
Kampf, kein ander Mittel weiß ich,
Kampf! und mag die Welt darüber
Krachend auch in Trümmer gehn.
Hab' kein Fiſchblut in den Adern,
Heute, — jetzt — ein matter Kriegsmann —
Stünd' ich in dem gleichen Falle
Wieder am Kaſtanienbaum.“

„Böſer Mann,“ ſchalt Margareta,
„Daß ein zweiter Hellebardhieb
Euch die erſte Narb' durchkreuzte,
Daß — und — wißt Ihr auch, wem Euer
Wagnis ſchweres Herzleid brachte?
Wißt Ihr, wer um Euch geweint hat?
Rief't Ihr wied'rum: Zugbrück nieder!
Wenn ich flehentlich Euch bäte:
Werner bleibt — Herr Werner, denkt auch
An die arme Margareta? —
Wenn ich —“ doch nicht weiter ſpann ſich
Der bewegten Rede Faden,
Was der Mund ſchwieg, ſprach das Auge;
Was das Aug' ſchwieg, ſprach das Herze;
Fragend, träumend hob jung Werner
Seinen Blick empor zu ihr:
„Sterb' ich, oder find' ich heute
Zwwiefach hier mein junges Leben?“
Und ſie flog in ſeine Arme,
Und ſie hing an ſeinen Lippen,
Und es flammte drauf der erſte
Schwere, ſüße Kuß der Liebe.
Purpurgolden durch der dunkeln
Bäume Wipfel fiel der Sonne
Streiflicht auf zwei ſel'ge Menſchen,
Auf jung Werners blaſſes Antlitz,
Auf die holderglühte Jungfrau.

Erſter ſüßer Kuß der Liebe!
Dein gedenkend, überſchleicht mich
Freud' und Wehmut: Freude, daß auch

Scheffel. I. 9


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