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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0198
Junug Werner und Margareta. 131

Und wo Wort nicht ausreicht, ziemt dem
Sänger ſchweigen, darum ſchweigend
Kehrt der Sang zurück zum Garten.

Dort an der Terraſſe Stufen
Lag der würd'ge Hiddigeigei.
Mit gerechtem Staunen ſah er,
Wie die Herrin dem Trompeter
In den Arm flog und ihn küßte.
Murrend ſprach er zu ſich ſelber:
„Manch ein ſchwer Problema hab' ich
Prüfend in dem Katerherzen
Schon erwogen und ergründet.
Aber ein's bleibt ungelöſt mir,
Ungelöſt und unbegriffen:
Warum küſſen ſich die Menſchen?
's iſt nicht Haß, ſie beißen ſich nicht,
Hunger nicht, ſie freſſen ſich nicht,
's kann auch kein zweckloſer blinder
Unverſtand ſein, denn ſie ſind ſonſt
Klug und ſelbſtbewußt im Handeln;
Warum alſo, frag' umſonſt ich,
Warum küſſen ſich die Menſchen?
Warum meiſtens nur die jüngern?
Warun dieſe meiſt im Frühling?
Über dieſe Punkte werd' ich
Morgen auf des Daches Giebel
Etwas näher meditieren.“

Roſen brach ſich Margareta,
Scherzend nahm ſie Werners Hut und
Schmückt' ihn mit den roten Blüten:
„Blaſſer Mann, bis daß auf Euern
Eignen Wangen ſie erblühen,
Müßt Ihr ſie am Hute tragen.
Aber ſagt mir auch, wie kam es,
Daß Ihr mir ſo lieb, ſo lieb ſeid?
Habt mir nie ein einzig Wörtlein
Anvertraut, daß Ihr mich liebet,
Habt nur manchmal ſchüchtern Euer

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