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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0207
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Dreizehntes Stück.

Jeder iſt alsdann ein Pfeiler,
Der das Ganze ſtützt, doch nimmer
Frommt ein Durcheinanderſchütteln.
Wißt Ihr, was daraus hervorſprießt?

Enkel, die von allem etwas

Haben und im Ganzen nichts ſind;
Flaches, inhaltsloſes Miſchvolk,
Schwankend, losgeriſſen von der
Überlief'rung feſtem Boden!
Ganz, ſcharfkantig muß der Menſch ſein,
Seine Lebensrichtung muß ihm
Schon im Blute liegen als ein
Erbteil früherer Geſchlechter.
Drum verlanget für die Heirat
Standesgleichheit unſre Sitte,

Unnd die Sitte iſt Geſetz mir,

Über ſeine feſte Mauer
Soll kein fremder Mann mir klettern,
Item, drum ſoll kein Trompeter
Um ein Edelfräulein frei'n!“

So der Freiherr; mühſam hatten
Zu der ernſten, ungewohnten
Theoretiſchen Entwicklung
Sich die Worte ihm gefügt.
Hinterm Ofen lag der Kater
Hiddigeigei, ſorglich lauſchend;

Nickt' auch mit dem Haupte Beifall

An dem Schluß, doch ſinnend fuhr er

Mit der Pfote an die Stirn',

Sinnend dacht' er bei ſich ſelber:
„Warum küſſen ſich die Menſchen?
Alte Frage, neuer Skrupel!
Dacht' ich doch, ich hätt's gefunden:
Dacht', es ſei der Kuß ein Mittel,
Schnell des andern Mund zu ſchließen,
Daß gewappnet nicht der bittern
Wahrheit Wort daraus hervorſpring';
Doch auch dieſe Löſung ſcheint mir
Jetzo eine ganz verfehlte,


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