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Das Büchlein der Lieder. 145
Daß Ihr in Sang und Spielmannskunſt
Mich löblich unterwieſen.
Die Sprache iſt ein edel Ding,
Doch hat ſie ihre Schranken;
Ich glaub', noch immer fehlt's am Wort
Für die feinſten und tiefſten Gedanken.
Schad't nichts, wenn auch ob Dem und Dem
Die Reden all verſtummen,
Es hebt ſich dann im Herzensgrund
Ein wunderbares Summen.
Es ſummt und brummt, es tönt und weht, —
Schier wird's dem Herz zu enge,
Bis daß vollendet draus entſchwebt
Der Geiſterſchwarm der Klänge.
Und vor der Liebſten ſtänd' ich oft
Als wie der dümmſte Geſelle,
Hätt' ich nicht gleich ein friſches Lied
Und die Trompet' zur Stelle.
Drum habet Dank, Frau Muſika,
Und ſeid mir hoch geprieſen,
Daß Ihr in Sang und Spielmannskunſt
Mich löblich unterwieſen.
VI.
Die Raben und die Lerchen
Sind gar verſchiedner Art,
Ich kann mein' Freud' nicht bergen,
Daß ich kein Schreiber ward.
Die Welt iſt nicht von Leder,
Im Tannwald wächſt kein Stroh,
Als luſtiger Trompeter
Blas ich halli, hallo!
Das jubelt, ſchallt und lärmet,
Das iſt ein hell' Getön:
Wer ſich des Klanges härmet,
Der mag ins Kloſter gehn.
Scheffel. 1. 10
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