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Vierzehntes Stück.
Und regnet's einmal Tinte,
Und ſchneit's mit Streuſand drein,
Dann reut mich meine Sünde,
Dann laß ich's Blaſen ſein.
VII.
Wo an der Brück' die Woge ſchäumt,
Da ſchwamm die Frau Forelle,
Sie ſchwamm zum Vetter Lachs hinab:
„Wie geht's Euch, Stromgeſelle?“
„'s geht gut,“ ſprach er, „doch denk' ich g'rad:
Wenn nur das Donnerwetter
Erſchlüg' den Muſikanten, den
Gelbſchnäbligen Trompeter!
Den ganzen Tag am Ufer geht
Der junge Herr ſpazieren!
Rheinab, Rheinauf hört nimmer auf
Sein leidig Muſizieren.“
Vergnügt die Frau Forelle ſagt:
„Herr Vetter, Ihr ſeid grobe!
Erlaubt, daß ich im Gegenteil
Den Herrn Trompeter lobe:
Wär' Euch, wie dem, in Lieb' geneigt
Die ſchöne Margareta,
Ihr lerntet in alten Tagen noch
Höchſtſelber die Trompeta!“
VIII.
O wolle nicht den Roſenſtrauß
Huldvoll als Gruß mir reichen,
Ein immergrünes Stechpalmreis
Sei unſrer Lieb' das Zeichen.
Der Blätter Kranz im ſtillen Glanz
Die reifende Frucht beſchützet,
Und fremde Hand, die ohn' Verſtand
Dran taſtet, wird geritzet.
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