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Das Büchlein der Lieder. 140
So haſt du auch geſehen,
Wie ſie mich einſt geküßt.
Doch ſchwatz nicht aus der Schule,
Schweig ſtill, alter Kumpan!
Was geht die Afrikaner
Die Lieb' am Rheine an?
XI.
Ein' feſten Sitz hab' ich veracht't,
Fuhr unſtät durchs Revier,
Da fand ich ſonder Vorbedacht
Ein lobeſam Quartier.
Doch wie ich in der Ruhe Schoß
Sänftlich zu ſitzen wähn',
Da bricht ein Donnerwetter los,
Muß wieder wandern gehn.
Alljahr wächſt eine andre Pflanz'
Im Garten als vorher;
Das Leben wär' ein Narrentanz,
Wenn's nicht ſo ernſthaft wär'!
XII.
Das iſt im Leben häßlich eingerichtet,
Daß bei den Roſen gleich die Dornen ſtehn,
Und was das arme Herz auch ſehnt und dichtet,
Zum Schluſſe kommt das Voneinandergehn.
In deinen Augen hab' ich einſt geleſen,
Es blitzte drin von Lieb' und Glück ein Schein:
Behüet' dich Gott! es wär' zu ſchön geweſen,
Behüet' dich Gott, es hat nicht ſollen ſein! —
Leid, Neid und Haß, auch ich hab' ſie empfunden,
Ein ſturmgeprüfter müder Wandersmann.
Ich träumt' von Frieden dann und ſtillen Stunden,
Da führte mich der Weg zu dir hinan.
In deinen Armen wollt' ich ganz geneſen,
Zum Danke dir mein junges Leben weihn:
Behüet' dich Gott! es wär' zu ſchön geweſen,
Behüet' dich Gott, es hat nicht ſollen ſein! —
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