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Vierzehntes Stück.
Die Wolken fliehn, der Wind ſauſt durch die Blätter,
Ein Regenſchauer zieht durch Wald und Feld,
Zum Abſchiednehmen juſt das rechte Wetter,
Grau wie der Himmel ſteht vor mir die Welt.
Doch wend' es ſich zum Guten oder Böſen,
Du ſchlanke Maid, in Treuen denk' ich dein!
Behüet' dich Gott! es wär' zu ſchön geweſen,
Behüet' dich Gott, es hat nicht ſollen ſein! —
Lieder des Katers Hiddigeigei.
I.
Eigner Sang erfreut den Biedern,
Denn die Kunſt ging längſt ins Breite,
Seinen Hausbedarf an Liedern
Schafft ein jeder ſelbſt ſich heute.
Drum der Dichtung leichte Schwingen
Strebt' auch ich mir anzueignen;
Wer wagt's, den Beruf zum Singen
Einem Kater abzuleugnen?
Und es kommt mich minder teuer,
Als zur Buchhandlung zu laufen
Und der andern matt' Geleier
Fein in Goldſchnitt einzukaufen.
II.
Wenn im Tal und auf den Bergen
Mitternächtig heult der Sturm,
Klettert über Firſt und Schornſtein
Hiddigeigei auf zum Turm.
Einem Geiſt gleich ſteht er oben,
Schöner, als er jemals war.
Feuer ſprühen ſeine Augen,
Feuer ſein geſträubtes Haar.
Und er ſingt in wilden Weiſen,
Singt ein altes Katerſchlachtlied,
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