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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0220
Das Büchlein der Lieder. 153

Des Geſanges Höllenqualen
Hab' ich nie ſo tief empfunden.

Aus den Zweigen, aus den Büſchen
Tönt der Vögel Tirilieren,
Weit und breit hör' ich die Menſchheit
Wie im Taglohn muſizieren.

In der Küche ſingt die Köchin,
Iſt auch ſie von Lieb betöret?
Und ſie ſinget aus der Fiſtel,
Daß die Seele ſich empöret.

Weiter aufwärts will ich flüchten,
Auf zum luftigen Balkone,
Wehe! — aus dem Garten ſchallt der
Blonden Nachbarin Canzone.

Unterm Dache ſelber find' ich
Die geſtörte Ruh' nicht wieder,
Nebenan wohnt ein Poet, er
Trillert ſeine eignen Lieder.

Und verzweifelt will ich jetzo
In des Kellers Tiefen ſteigen,
— Ach! da tanzt man in der Hausflur,
Tanzt zu Dudelſack und Geigen.

Harmlos Volk! In Selbſtbetäubung
Werdet ihr noch lyriſch tollen,
Wenn vernichtend ſchon des Oſtens
Tragiſch dumpfe Donner rollen!

Mai iſt's jetzo. Für den Denker,
Der die Gründe der Erſcheinung
Kennt, iſt dieſes nicht befremdlich.
In dem Mittelpunkt der Dinge
Stehn zwei alte weiße Katzen,
Dieſe drehn der Erde Achſe,
Dieſer Drehung Folge iſt dann
Das Syſtem der Jahreszeiten.


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