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Das Büchlein der Lieder. 157
Doch wozu der alte Kummer?
Und ich hör' die Jungen lachen,
Und ſie treiben's noch viel dummer,
Schaden erſt wird klug ſie machen.
Fruchtlos ſtets iſt die Geſchichte;
Mögen ſehn ſie, wie ſie's treiben!
— Hiddigeigeis Lehrgedichte
Werden ungeſungen bleiben.
XIII.
Arm wird matter, Stirn wird bleicher,
Balde reißt des Lebens Faden,
Grabt ein Grab mir auf dem Speicher,
Auf der Walſtatt meiner Taten!
Feſter Kämpe, trug die ganze
Wucht ich hitzigen Gefechtes:
Senkt mich ein mit Schild und Lanze
Als den letzten des Geſchlechtes.
Als den letzten, — o die Enkel,
Nimmer gleichen ſie den Vätern,
Kennen nicht des Geiſts Geplänkel,
Ehrbar ſind ſie, ſteif und ledern.
Ledern ſind ſie und langweilig,
Kurz und dünn iſt ihr Gedächtnis;
Nur ſehr wen'ge halten heilig
Ihrer Ahnherrn fromm Vermächtnis.
Aber einſt, in fernen Tagen,
Venn ich längſt hinabgeſargt bin,
Zieht ein nächtlich Katerklagen
Zürnend über euern Markt hin.
Zürnend klingt euch in die Ohren
Hiddigeigeis Geiſterwarnung:
„Rettet euch, unſel'ge Toren,
Vor der Nüchternheit Umgarnung!“
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