http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0230
Das Büchlein der Lieder. 163
Du Sonne, die meinen Tag erhellt,
Wann wirſt du mir wieder kommen?
Kaum daß ich ihm recht in die Augen geſchaut,
So iſt der Traum ſchon beendet,
O Liebe, was führſt du die Menſchen zuſamm',
O Liebe, was ſchürſt du die ſüße Flamm',
Wenn ſo bald und traurig ſich's wendet?
Wo zieht er hin? die Welt iſt ſo groß,
Hat der Tücken ſo viel und Gefahren,
Er wird wohl gar in das Welſchland gehn,
Und die Frauen ſind dort ſo falſch und ſchön!
O mög' ihn der Himmel bewahren.
Fünf Jahre ſpäter.
Werners Lieder aus Welſchland.
I.
Mir iſt's zu wohl ergungen,
Drum ging's auch bald zu End',
Jetzt bleichen meine Wangen,
Das Blatt hat ſich gewend't.
Die Blumen ſind erfroren,
Erfroren Vei'l und Klee,
Ich hab' mein Lieb verloren,
Muß wandern tief im Schnee.
Das Glück läßt ſich nicht jagen
Von jedem Jägerlein,
Mit Wagen und Entſagen
Muß drum geſtritten ſein.
An wildem Klippenſtrande
Ein Felsblock einſam ragt,
Ihn haben von dem Ufer
Die Wellen losgenagt.
11*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0230