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Vierzehntes Stück.
Cäcilia Metella,
Dein trutzig Totenmal.
In ſeinen Trümmern ſteh' ich,
Den Blick gen Nord gewandt,
Da fliegen die Gedanken
Weit übers welſche Land
Zu einem andern Turme,
Der hat viel klein're Stein,
Am rebumrankten Fenſter
Sitzt die Herzliebſte mein.
VII.
Nun liegt die Welt umfangen
Von ſtarrer Winternacht,
Was frommt's, daß am Kamin ich
Enrntſchwundner Lieb gedacht?
Das Feuer will erlöſchen,
Das letzte Scheit verglüht,
Die Flammen werden Aſche,
Das iſt das End vom Lied,
Das End vom alten Liede,
Mir fällt kein neues ein,
Als Schweigen und Vergeſſen —
Und wann vergäß ich dein?
Das drängt und jubelt, ſingt und klingt
Durch Roms verwitterte Straßen,
Die Narrheit hoch die Fahne ſchwingt,
Die Maskenſchwärme raſen.
Den Korſo auf und nieder jagt
Die leichte Schar der Wagen,
Da wird die große Blumenſchlacht
Des Karnevals geſchlagen.
Mit Roſ' und Veilchen wird ſcharmützt,
Hei! wie die Sträuße fliegen!
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