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Ein Wiederſehen in Rom. 171
Fünfzehntes Stück.
Ein Wiederſehen in Rom.
Sengend lag die Glut des Sommers
üÜber Rom, der alten Weltſtadt;
Träge wälzt' der Tibris ſeine
Blonden Wellen; wälzt' ſie mehr aus
Pflichterfüllung, weil es einmal
Sein Beruf als Strom ſo mitbringt,
Als aus innerm Triebe durch die
Zitternd heiße Luft dem Meer zu.
Unten tief im Wellengrunde
Saß der Alte, und er brummte:
„O wie langſam ſpinnt die Zeit ſich!
Ich bin müd, wann kommt das Ende
Dieſes monotonen Treibens?
Wannen wird die Meeresſturmflut
Dieſes Stücklein Erd' verſchlingen
Und die Bäche und die Flüſſe
Und auch mich, den Stromesalten,
Insgeſamt zum all und einz'gen
Weltenwaſſer in ſich faſſen?
Selbſt die Mauern dieſer Roma
Zu beſpülen, macht mir Langweil,
Und was frommt's, daß man den Boden
Und mich ſelber klaſſiſch nennt?
Hingeſchwunden, Staub und Aſche
Sind die heitern Römerſänger,
Die, den Lorbeer auf dem Haupte
Und den Rhythmus tief im Herzen,
Einſtens meinen Ruhm geſungen;
Andre kamen, und ſie gingen
Wie die erſten, und ſo wird's noch
Lang dasſelbe Schattenſpiel ſein.
's gilt mir gleich; — doch wer berechtigt
Die da droben, mich zu ſtören?
O was haben dieſe Menſchen
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