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Fünfzehntes Stück.
Diener, Uniformen glänzen,
Und mit ſtattlichem Gefolge
Schreitet eine ält're Dame .
Aufwärts zum Portal des Doms.
„Wie ſie altert,“ ſprach drauf einer,
„Die Frau Königin von Schweden.
Denkt's Euch noch, wie wunderſchön ſie
War bei ihrem erſten Einzug?
Eine Blumenmauer ſtand das
Tor del Popolo geſchmückt, und
Bis zu Ponte molle zog ihr
Grüßend Romas Volk entgegen.
Weit hinab den Korſo, bis zum
Venetianiſchen Palaſte,
War des Jubelrufs kein Ende.
Seht ihr auch den kleinen Herrn dort
Mit dem Buckel? Eben nießt er.
Dieſem iſt ſie ſehr gewogen,
Die Frau Königin Chriſtina.
's iſt ein grundgelahrtes Männlein,
¹s iſt der Philolog Naudäus.
Der weiß, wie's vor Zeiten zuging,
Und er ſelbſt hat neulich einen
Echt antiken Saltarello
Drüben bei dem Fürſt Corſini
Zur Belehrung vorgetanzt.
Die Geſellſchaft lachte, daß man's
Bis am Tiberufer hörte.“
Unbeachtet im Gedränge
Kam jetzt ein ſchwerfäll'ger Wagen,
Saßen drin zwei ſchwarze Damen,
Doch der Pferde Zügel lenkt' der
Treue Anton, ſorgſam rief er:
„Platz, ihr Herren, für die gnäd'ge
Frau Abtiſſin und das Fräulein!“
Rief's auf deutſch, die Römer lachten.
Mit erſtaunten Augen ſah er
In die fremde Welt, er ſah auch
Das Gefolg der Schwedenfürſtin,
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