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Ein Wiederſehen in Rom.
Sah dort einen greiſen Kutſcher,
Mürriſch ſprach er von dem Bocke:
„Kenn' ich dich, du alter Schwede?
Standſt du nicht dereinſt beim blauen
Regiment von Südermannland?
Soll ich mich vielleicht noch für den
Hieb in Arm bei dir bedanken,
Den du in der Schlacht bei Nürnberg
Freundlichſt mir verabreichſt haſt?
's iſt doch ein merkwürd'ger Landſtrich,
Dieſes Rom, — viel längſtvergeſſne
Freund' und Feinde ſieht man wieder!“
— Auf italiſchem Boden grüßet
Jetzt der Sang ſchön Margareta;
Gerne möcht der blaſſen Jungfrau
Er des Südens ſchönſte Blüten
Auf den Pfad ſtreun, daß ein Lächeln
Übers ernſte Antlitz flöge.
Doch ſeit Werner aus dem Schloß ritt,
War der Scherz ein ſeltner Gaſt ihr.
Einmal noch ſah man ſie lachen,
Als der ſchwäb'ſche Junker ankam,
Aber 's war ein herbes Lachen,
Herb, wie von der Mandolin der
Klagton der geſprungnen Saite.
Und der Junker ritt nach Hauſe
Ledig, wie er ausgeritten.
Schweigend härmte ſich die Holde,
Härmte Monde ſich und Jahre,
Und teilnehmend ſprach zum Freiherrn
Drauf die alte Fürſtabtiſſin:
„Euer Kind gedeiht nicht mehr auf
Unſerm Boden, langſam welkt das
Arme Herz in ſeinem Kummer.
Heilſam iſt 'ne Luftveränd'rung,
Laßt mit mir drum Margareta
Nach Italien; muß ich doch in
Alten Tagen noch nach Rom gehn.
Denn in Chur, der böſe Biſchof
Scheffel. I. 12
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