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Fünfzehntes Stück.
's war des Papſtes Nobelgarde;
Und der heil'ge Vater ſelber
Nahte jetzt, — auf hohem Throne
Trugen ihn der Diener acht,
Überm Haupte hielten Pagen
Ihm den Pfauenfederfächer.
Schneeweiß war ſein linnen Feſtkleid,
Segnend hob er ſeine Rechte,
Dran Sankt Peters Fiſcherring blitzt,
Und die Menge beugte ſtumm ſich.
Angelangt am Hauptaltare L
War der Zug jetzt, und es hielt der
Papſt das feierliche Hochamt
Über des Apoſtels Grab. L
Feierlich und ernſt erklang des
Chorgeſangs ehrwürd'ge Weiſe,
Die der Meiſter Paleſtrina
Strengen Sinnes einſt geſetzt,
Und die alte Fürſtabtiſſin
Betete in frommer Andacht.
Aber Margareta hob den
Blick, es klang ihr der Geſang als
Wie ein Ton von oben, und ſie
Wollt' empor zum Himmel ſchauen,
Doch das Auge haftet' auf der
Sänger Loge, und ſie bebte:
In der Sänger Mitte ſtand ein
Hoher Mann mit blonden Locken,
Halbverdeckt vom Marmorpfeiler.
Und ſie ſchaute wieder aufwärts,
Schaute nicht mehr nach dem Papſte,
Nicht mehr nach den Kardinälen,
Nicht mehr nach den neun und achtzig
Lampen über Petri Grab. —
„Alter Traum, was kehrſt du wieder?
Alter Traum, und was verfolgſt du
Mich bis zu geweihter Stätte?“
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