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Löſung und Ende. 181
Leis verhallt der letzte Ton, es
War die Funktion beendigt.
„Fräulein, und was ſeht Ihr blaß aus?“
Sprach die alte Fürſtabtiſſin,
„Nehmt mein Fläſchlein,'s wird Euch gut tun,
's iſt wohlriechende Eſſenz drin
Aus der Kloſterapotheke
Von San Marco zu Florenz.“
Jetzo ſchritt der Zug der Sänger
An der Damen Sitz vorüber.
„Gott im Himmel, ſei mir gnädig,
Ja, er iſt's! ich kenn' die Narbe
Auf der Stirn, — es iſt mein Werner!“
Trübe ward's vor Margaretas
Augen, — Herz, was ſchlägſt du wilde?
Nimmer wollt' der Fuß ſie tragen,
Und ohnmächtig ſank die Jungfrau
Auf den kalten Marmorboden.
Sechzehntes Stück.
Löſung und Ende.
Innocentius der Eilfte
War ein guter Herr, auch hatt' ihm
Gut das Mittagmahl gemundet.
Tafelnd ſaß er und verzehrte
Eine Ananas Jun Nachtiſch,
Sprach zum Kardinal Albani:
„Wer war doch das blaſſe Fräulein,
Das heut morgen in Sankt Peter
Eine Ohnmacht angewandelt?“
Sprach der Kardinal Albani:
„Augenblicklich fehlt hierüber
Mir die Auskunft, doch ich werd' den
Monſignor Venuſto fragen,
Der weiß alles, was in Rom bei
Tag ſich und bei Nacht ereignet,
Weiß, was die Salons erzählen,
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