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Löſung und Ende. 183³
Dichterhaine Lorbeern ernten,
Säng' er dieſes Wiederſehn.
Doch ich nehme wirklich Anteil
An dem ernſten Signor Werner.
Trefflich hält er die Kapelle
Mir in Ordnung und verbreitet
Sinn für ernſte ſtrenge Weiſen,
Während meine Italiener
Sich ſo gerne am leichtfert'gen
Operntonſpektakel freun.
Schweigſam liegt er ſeinem Dienſt ob,
Spricht kein Wort aus freien Stücken,
Bat noch nie um eine Gnade,
Nie auch hält die Hand er offen
Für die Gaben der Beſtechung,
Und der Korruption Exempel
Sind bei uns doch häuf'ger als die
Flöh' in heißen Sommertagen;
Nicht wahr, Monſignor Venuſto?
Beinah ſcheint mir, daß den deutſchen
Meiſter unbekannter Gram drückt.
's wär' intereſſant zu wiſſen,
Ob auch er noch jener Lieb' denkt?“
Sprach der Kardinal Albani:
„Dieſes möcht' ich ſchier bejahen.
In den Konduitenliſten
Die wir über hoh' und niedre
Staats⸗ und Kirchendiener führen,
Steht verzeichnet als Kurioſum,
Daß er ſtreng die Frauen meidet.
Früher hatten wir Verdacht, daß
Ihm die ſchöne Wirtin in der
Schenke beim Egeriatale
Eine Flamm' im Herz entzündet.
Abendlich ſah man ihn wandeln
Vor die Porta Sebaſtiano,
Ringsum iſt kein ander Wohnhaus
Als beſagte Oſteria,
Und bei ſolchem Nachtſpaziergang
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