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Löſung und Ende. 185
In der Früh' des erſten Juli
Sechzehn hundert neun und ſiebzig
Ging die Sonne mit beſonderm
Wohlbehagen über Rom auf.
Kühlend rauſcht' die Tramontana
Durch die Myrten und Zypreſſen
In dem vatikan'ſchen Garten,
Und die Blumen hoben freudig
Duftend die verſengten Häupter.
Auf dem rieſengroßen ehrnen
Pinienzapfen, der am Grabmal
Hadriani einſt geprangt hat
Und jetzt bei Jasmin und Roſen
Als zufriedner Penſionär lebt,
Tummelten ſich die Lacerten,
Und ſie ſchnappten nach den Mücklein,
Die im Sonnenſcheine tanzten.
Brunnen ſprangen, Vögel ſangen,
Selbſt den blaſſen Marmorſtatuen
Ward es lebenswarm zumut,
Und der Satyr mit der Flöte
Hob den Fuß, als wollt' er von dem
Poſtament in Garten tanzen;
Warnend winkte ihm Apollo:
„Freund, die Zeiten ſind vorüber,
Und du würdeſt dich blamieren.“
Sonnig grüßte das jenſeit'ge
Rom zum Vatikan herüber,
Aus dem Meer von Häuſern, Kirchen
Und Paläſten ragte ſtolz der
Quirinal, und ferne hob ſich
Der kapitolin'ſche Hügel,
Violetter Duft umzog ihn.
Durch des Boscareccio grünen
Laubgang ſchimmerte des Papſtes
Weiß Gewand; er hatte gnädig
Der Abtiſſin und dem Fräulein
Dorten Audienz gegeben.
Die Abtiſſin trug den Troſt, daß
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