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Sechzehntes Stück.
Schlechte Straßen, teure Zölle,
Dumpfe Ställe, dürrer Hafer,
Fuhrwerk roh! — mein Auge fühlt ſich
Stets beleidigt, ſieht es dieſe
Stiergezognen Zweigeſpanne.
Und es fehlt die Grundbedingung
Beſſern Zuſtands, das gediegne
Inſtitut des deutſchen Hausknechts.
O wie ſchwer vermiß' ich dieſen!
O wie freu' ich mich, den erſten
Mann mit Schurz und Zipfelkappe
Wieder zu begrüßen, — wahrlich,
Ich umarm' ihn und ich küſſ' ihn.
Heimkehr, Heimkehr — wunderbare
Überraſchung! Niemals war ich
So erfüllt von meiner hohen
Kutſcherpflicht wie gegenwärtig;
Stolz im Trab, wie nie ein welſcher
Fuhrmann ihn im Traum geträumt hat,
Führ' ich meine Damen und Herrn
Werner durch Florenz und Mailand.
In Schaffhauſen halten wir die
Letzte Nachtruh', doch ein Bote
Muß mir unverzüglich reiten,
Und das ganze Städtlein muß er
Alarmieren: „„Rüſtet Fahnen,
Ladet die Kanonen tüchtig,
Baut auch eine Ehrenpforte!““
Drauf am nächſten Abend ziehn wir
Feſtlich durch das alte Tor ein,
Feſtlich knall' ich von dem Bocke,
Daß die Rathausfenſter dröhnen,
Und ich hör' den alten Freiherrn,
Wie er unwirſch fragt: „„Was ſoll dies
Schießen, Jubeln, Fahnenſchwenken?““
Schon von weitem ruf' ich ihm dann:
„„Heil iſt unſerm Haus begegnet,
Und ein Brautpaar kommt gefahren,
Herr, ich bring Euch Eure Kinder!““
Keiner ſoll den Tag vergeſſen!
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