Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 11
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0011
I. Journaliſtiſch⸗Politiſches uſw. 11

(Aus Nr. 56:) In Frankreich erregt die Nachricht von der
Erwählung Friedrich Wilhelms IV. zum Kaiſer der Deutſchen viel
Aufſehen unter den Politikern. Alle Zeitungen ſind einig, dieſelbe
als ein Ereignis von unabſehbaren Folgen zu betrachten. Die re⸗
publikaniſchen Blätter wünſchen dem deutſchen Volke Glück dazu,
daß es ſeine Wünſche nach nationaler Einheit zu verwirklichen im
Begriff ſtehe; — vorſichtige Zeitungen, wie der National, die
Preſſe, die Debats enthalten ſich vor der Hand jeden Urteils, man
merkt ihnen aber dennoch an, daß ſie die Bildung eines mächtigen
deutſchen Reiches als gefährlich für Frankreich betrachten.
Die reaktionären Blätter treten mit Entſchiedenheit gegen den
Beſchluß der deutſchen Nationalverſammlung auf und ſtellen ſich
auf den Boden der Wiener Verträge...
— Aller Augen ſind gegenwärtig natürlich nach Berlin gerichtet.
Die Deputation der deutſchen Nationalverſammlung kam am Mon⸗
tag abend dort an, wurde von Mitgliedern beider preußiſchen Kam⸗
mern von den Stadtverordneten und einer unabſehbaren Menge
Berliner Einwohner aus allen Ständen begrüßt und unter dem Ge⸗
ſang von Arndts Lied: „Was iſt des Deutſchen Vaterland“ vom
Bahnhof nach der Stadt geleitet. Damit die Deputation auch noch
ſehe, daß der Belagerungszuſtand fortdauere, hatte General Wrangel
das Aufſtecken deutſcher Fahnen verboten.
Dienstag vormittag wurden die Frankfurter Abgeordneten vom
König empfangen. Seine Antwort iſt bekannt; wie vorauszuſehen,
keine unbedingte Annahme, wohl aber der Quell neuer Verwicklungen,
denn jetzt, wo die Augenblicke drängen, die definitive Feſtſtellung der
deutſchen Verfaſſung von der Reviſion eines Fürſtenkongreſſes ab⸗
hängig machen zu wollen, heißt gewiß, dem Willen der National⸗
verſammlung wie des geſamten Volkes entgegen handeln.
In der Berliner Zweiten Kammer wurde auch alsbald wegen der
nicht befriedigenden Antwort des Königs von Vincke ein Antrag
geſtellt.
Mehrere der Frankfurter Deputierten wollten gleich wieder zu⸗
rückreiſen, wurden aber von Vincke noch zurückgehalten.
Die Berliner Blätter ſprechen ſehr verſtimmt über die Antwort des
Königs; ſie hoffen, daß das Miniſterium abdanke und durch ein
offen und ganz deutſch geſinntes erſetzt werde. Die deutſche Reform
ſagt: die Geſchicke Deutſchlands ſind an Preußen geknüpft und wer⸗
den ſich erfüllen, wenn nicht mit, ſo trotz dem König.
Die Partei Rodbertus⸗Unruh hat in der preußiſchen Zweiten Kam⸗


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