Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 26
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0026
26 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

flikt, da dieſer ohne Befehl des Miniſters die in Baden ſtehenden
württembergiſchen Truppen zurückberief.
Der kürzlich erfolgte Beſuch des Herrn von Schmerling in
Stuttgart hat wohl auch ſeinen Anteil an den Entſchlüſſen des
Hofes; wenigſtens iſt die vom König ausgeſprochene Bereitwillig⸗
keit, ſich einem öſterreichiſchen Reichsoberhaupt zu unterwerfen, von
großer Bedeutung.
Außerdem gehen noch verſchiedene Diplomaten in Stuttgart ab
und zu, z. B. iſt der Baron Carl von Hügel, der Geſandte von
St. Petersburg, angekommen, ſodann hält ſich der aus Metternich⸗
ſchen Zeiten bekannte Unterhändler Klindworth in Stuttgart auf
und hat bei ſehr einflußreichen Perſonen Zutritt; — lauter An—
zeichen, daß der Krone ihre Privatbeziehungen zu den Höfen Olmütz
und Petersburg näher am Herzen liegen als ihre Stellung zu ihrem
eigenen Volke und zu dem deutſchen Nationalwillen.
Gott beſſer 's! Wenn die deutſchen Fürſten ihre jetzigen Abſich⸗
ten feſthalten, kommt der deutſche Bundesſtaat nicht zuſtande; aber
das Vaterland wird Rechenſchaft fordern von denen, die ſeine Ge⸗
ſchicke verpfuſcht haben. —
— In Berlin geht's auch ſchief. Die Zweite Kammer hat ſich
zwar brav gehalten und den dritten Satz des Rodbertusſchen An⸗
trags, der die Rechtsgültigkeit der deutſchen Reichsverfaſſung aner⸗
kennt, angenommen. Allein der Miniſterpräſident hat während der
Verhandlungen darüber eine Erklärung abgegeben, woraus ganz
andere Abſichten der Regierung hervorgehen. Er jammert in dieſer
Erklärung darüber, daß die Nationalverſammlung der Verfaſſung
keine Geſtalt gegeben, in welcher ſie zur Annahme geeignet geweſen
wäre und ſchließt alſo:
„Die Nachteile, welche demnach mit der Annahme der Verfaſſung
verbunden ſein würden, ſind, der pflichtgemäßen und gewiſſenhaften
überzeugung des Miniſteriums zufolge, ſo überwiegend, daß dasſelbe
ſich außerſtande befindet, Sr. Majeſtät dem König die unbedingte
Annahme der in Frankfurt beſchloſſenen Verfaſſung zu empfehlen.
Das Miniſterium glaubt vielmehr, daß dieſe Annahme von
einigen Abänderungen abhängig gemacht werden muß.“
Alſo einige Abänderungen anbringen, — hinausſchieben, — ab⸗
warten! Wenn die Geſchichte im ganzen nicht ſo traurig wäre, ſo
würde ſie bald langweilig.


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