Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 34
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0034
34 Aufſätze aus verſchiedenen Gebielen.

wollen, man will lieber es auf einen Hand⸗ oder Staatsſtreich an⸗
kommen laſſen, man ſtellt ſich von Seite der großen deutſchen Re⸗
gierungen offen auf den Boden der Contrerevolution.
Die deutſche Nation aber läßt das nicht über ſich ergehen. Nichts
erbittert das Gemüt mehr, als Winkelzüge und Rechtsverletzungen,
und die Nation ſteht diesmal vollſtändig auf dem Rechtsboden mit
ihrer Forderung; die Reichsverfaſſung iſt im Reichsgeſetzblatt ver⸗
kündet, ſie iſt das Werk der zu ihrer einzigen und alleinigen Aus⸗
arbeitung berufenen Nationalverſammlung.
Und dann hat noch niemand außerhalb der deutſchen Königs⸗
höfe vergeſſen, daß die Revolution des vorigen Jahres nur um den
Preis beendigt wurde, daß ſämtliche Regierungen in die Berufung
des Parlaments willigten und demſelben die friedliche Vermittlung
der Grundſätze der Revolution mit den beſtehenden Verhältniſſen
überließen — das Organ für den Willen einer Nation beruft man
aber nicht zuſammen, um es nach einjähriger Müh' und Arbeit zu
behandeln, als wenn es nie dageweſen wäre. Es hat noch niemand
außerhalb der deutſchen Königshöfe vergeſſen, daß nur um den
Preis des deutſchen Parlaments der Monarchie in Deutſchland ein
Generalpardon erteilt wurde; daß die Gegenſätze im März und
April vorigen Jahres nicht hießen: „Monarchie oder Republik“,
ſondern „deutſches Parlament oder Republik“, mit andern Worten:
friedliche Entwicklung der Revolution oder gewaltſame.
Wird aber die friedliche Entwicklung durch Anarchie von oben un⸗
möglich gemacht, ſo gebietet der Lebensinſtinkt der Nation, dieſe
anarchiſtiſchen Elemente zu beſeitigen.
Und an einem ſolchen Punkte ſind wir gegenwärtig angelangt.
Die Pläne, die von den großen deutſchen Regierungen ausgeſpon⸗
nen wurden, ſind nichts anderes, als die unumwundene Hervor⸗
rufung des Bürgerkriegs, denn wenigſtens im Süden und Weſten
Deutſchlands, wo das Blut etwas weniger zäh in den Adern rollt,
als im Norden, wird die projektierte Vernichtung der Reichsver⸗
faſſung als ein Fauſtſchlag in das Antlitz des Volkes betrachtet, den.
es nicht, ohne ihn zu erwidern, hinnimmt.
Fragen wir nun, welche Stellung wird unſer Heimatland Baden
zu der Weiterentwicklung der deutſchen Revolution einnehmen?
In Baden iſt Volk und Regierung einig in der Anerkennung der
Reichsverfaſſung; die Regierung hat noch in den letzten Tagen alle
Bedenken über etwaige Klauſeln oder Vorbehalte beſeitigt. Sollte
alſo der Widerſtand des Volkes in Bayern, Preußen und Hannover


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