Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 39
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0039
I. Journaliſtiſch⸗Politiſches uſw. 39

mannſchaft der Pfalz fortan den Namen „Volkswehr“ führen ſoll,
und vom Landesverteidigungsausſchuß (beſſer geſagt „proviſoriſche
Regierung“) wurde zum Oberkommandanten ſämtlicher Volkswehr
der Pfalz der bekannte General Dufour gewählt, und ſogleich
die weiteren Schritte durch einen Kurier, welcher ſoeben in die
Schweiz abging, getan.
Schon haben ſehr viele der rheinbayriſchen Beamten Erklärungen
abgegeben, der Frankfurter Verfaſſung treu zu bleiben und ſich den
Beſchlüſſen des Landesverteidigungsausſchuſſes zu unterwerfen, mit⸗
hin ſich von der Krone Bayern förmlich loszuſagen.
Die Stimmung des Militärs in Landau wird als der Volksſache
äußerſt günſtig geſchildert.
In Altbayern haben verſchiedene Truppenteile Marſchorder nach
dem Rheinkreiſe erhalten; ſo ein Küraſſierregiment von München,
ein Teil der Augsburger Garniſon, zwei Würzburger Batterien uſw.
— Aus Mainz ſind Sſterreicher abmarſchiert, die ebenfalls nach
Rheinbayern beſtimmt ſein ſollen.
— Auch i in der preußiſchen Rheinprovinz ſteigt die Bewegung.
In einer Verſammlung der Landwehrmänner und Reſerviſten der
Kreiſe Krefeld und Kempen wurde einſtimmig beſchloſſen, daß die
Wehrmänner ſich der Nationalverſammlung in Frankfurt zur un⸗
bedingten Verfügung ſtellen, wenn dieſelbe entweder die Landwehren
einberufen oder wenn ein Angriff auf die Nationalverſammlung
ſtattfinden ſollte.
— Aus Dresden lauten die neueſten Nachrichten vom 3. Mai
folgendermaßen:
Tumult auf den Straßen Dresdens! Man will den König zwin⸗
gen, daß er die Reichsverfaſſung anerkenne. Das Schloß iſt ver⸗
ſchloſſen, mit Militär angefüllt. Außen fängt man an Barrikaden
zu bauen, damit der König nicht fort kann, was er zu beabſichtigen
ſcheint. Das ſächſiſche Militär ſchwankt, ob es auf das Volk ſchie⸗
ßen wird.
Soeben, nachmittags 5 Uhr, wollen mehrere das Zeughaus mit
Leitern erſteigen; die Sturmglocke läutet; die Kommunalgarde ver⸗
ſammelte ſich, um einen neuen Kommandanten zu erwählen. Wäh⸗
renddem ſah ſich das im Zeughofe verſammelte Militär (wahrſchein⸗
lich durch ernſtere Angriffe von außen) veranlaßt, zu ſchießen. Vier
vom ſtürmenden Volk ſollen gefallen ſein. Mit Geſchrei brachte ein
Haufen Menſchen einen Toten auf den Neumarkt getragen. Die
Kommunalgarde ſtand ruhig dabei.


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