Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 43
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I. Journaliſtiſch⸗Politiſches uſw. 43

Die Majorität der Verſammlung, die den an der Schwelle ſtehenden
Bürgerkrieg noch immer nicht erblicken will, die wahrſcheinlich von
der Anſicht Rießers ausging, es ſei Torheit, das Ziel der Einheit
durch Gewalt erreichen zu wollen, ging zur Tagesordnung über.
Zur Unterſtützung Sachſens waren dringliche Anträge geſtellt,
welche auf Soirons Antrag dem Reichsminiſterium zur ſchleunigen
Ergreifung geeigneter Maßregeln überwieſen wurden.

Aus Nr. 82:) In Dresden wurde von neuem zwiſchen den
braven Kämpfern für die deutſche Sache und den durch königlich
ſächſiſche und preußiſche hochverräteriſche Fürſtenwillkür in den Tod
getriebenen Soldaten auf das erbittertſte gefochten.
Die Nachrichten gehen bis zum 7. Mai, wo der blutige Kampf
noch unentſchieden war. Sie lauten folgendermaßen:
„Dresden, 6. Mai. (Früh 5 Uhr.) Nach 4 Uhr begann das
Sturmläuten und der Kanonendonner wieder. Die Bildergalerie,
dies berühmte deutſche Kunſtinſtitut, hat ſehr gelitten; in ſeinen
Sälen iſt Militär poſtiert, das von der Moritzſtraße aus dem „Ho⸗
tel de Saxe“ und aus der „Stadt Rom“ beſchoſſen wird. Das
preußiſche Grenadier⸗Bataillon iſt noch nicht eingetroffen; die Ei⸗
ſenbahn ſoll an vielen Orten aufgeriſſen ſein.
7 Uhr. Das Militär und die Artillerie rückt in Maſſen zum
Angriff aus. Das preußiſche Füſilierbataillon ſteht auf dem Markt
der Neuſtadt als Reſerve. In dieſem Augenblick ſteigt dicker
Qualm aus dem alten Opernhaus am Zwinger auf, das
in Brand geſteckt iſt. Das prinzliche Schloß iſt dadurch gefährdet.
Soeben fahren zwei Zwölfpfünder auf dem Zwingerwall auf, um
entweder das brennende Gebäude zu demolieren oder die große
Barrikade am Poſtplatz zu zerſtören.
9 Uhr. Die Kanonade dauert ſchon zwei Stunden. Das
Feuer ſcheint gedämpft. Der Kampf dauert fort; er muß
furchtbar ſein; denn unaufhörlich trägt man verwundete Sol⸗
daten nach der Neuſtadt und ſchafft von hier aus friſche Munition
über die Brücke.
11 Uhr. Soeben ſind die Preußen oberhalb der Brücke auf der
fliegenden Fähre, die man von Pillnitz herbeigeſchafft hat, über die
Elbe geſetzt. Die Altſtadt ſoll von allen Seiten angegriffen werden.
Die Artillerie hat ſich vom Zwingerwall zurückziehen
müſſen; nachdem es ihr nicht gelingen wollte, ein feſtes turmähn⸗
liches Gebäude an der Münze, das von den Leipziger Turnern be⸗


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