Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 44
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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44 Aufſätze aus verſchiedenen Gebieten.

ſetzt iſt, einzuſchießen. Von der Terraſſe aus wird dagegen ſeit einer
Stunde ein furchtbares Feuer aus Zwölfpfündigen gegen die Alt⸗
ſtadt unterhalten. Man ſagt, man wolle die Stadt mit glühenden
Kugeln beſchießen. Aber auch in der Altſtadt ſoll man einige Ka⸗
nonen haben.
12 Uhr. Soeben iſt ein Plakat unter der Preſſe, welches den Be⸗
lagerungszuſtand verkündet. Wer mit den Waffen in der Hand an⸗
getroffen wird, ſoll ſofort erſchoſſen werden. Alle Türen und Fen⸗
ſter müſſen geſchloſſen werden. — Über dem königlichen Schloſſe
ſteigt eine furchtbare Rauchſäule empor. Hinter uns und
um uns her ſcheint das Land im Aufſtand zu ſein.
Nachträglich noch eine Bekanntmachung des Geſamtminiſteri⸗
ums (v. Beuſt und Rabenhorſt!), welche auffordert, daß man ſich
nicht irreleiten laſſen ſoll durch die, welche nach Art. 81 u. ff. des
Kriminal geſetzbuches ſich des Hochverrats ſchuldig machen. Die Re⸗
gierung ermahne nochmals zur Rückkehr zur Pflicht. Sie gebe
nicht nach und werde mit allen Mitteln gegen das Volk
kämpfen.
3 Uhr nachmittags. Vor einer Stunde iſt die Erklärung we⸗
gen des Belagerungszuſtandes durch Plakat angeſchlagen worden.
Der Kampf wütet fort, und das Militär muß jeden Fußbreit er⸗
kämpfen. Die Kanonade iſt furchtbar. Man ſchießt durch das Ge⸗
orgentor in die Schloßgaſſe hinauf. Man transportiert Gefangene
und Verwundete vorbei. Gegen halb drei Uhr ſind drei Offiziere
ſehr ſchwer verwundet worden: der General Homilius, der Reiter⸗
oberſt v. Kirchbach und ein Oberleutnant, außerdem ſind, wie man
ſagt, noch fünf oder ſechs Offiziere tot oder verwundet. Das Gre⸗
nadierbataillon „Alexander“ iſt noch nicht angekommen. Man er⸗
wartet nur noch ſchwere Artillerie. Man hört in dieſem Augen⸗
blick nur Kartätſchenfeuer. Es ſollen wieder mehrere Barrikaden
in die Hände des Militärs gefallen ſein und demnach die Gegner
immer mehr eingeengt werden.
7. Mai. (1/½6 Uhr früh.) Vor einer Stunde hat die Kanonade
wieder begonnen und iſt bis jetzt fortgeſetzt worden. Das Feuer
ſchweigt jetzt; man verſucht, wie es heißt, eine Poſition mit dem
Bajonett zu nehmen. Truppen bewegen ſich nach der Meißener
Straße. Soeben bringt man wieder verwundete Soldaten.
Ein Herr v. B. ſoll dem Volke vier Kanonen geſchenkt, ein Herr
aus Chemnitz 600 Flinten geſchickt haben. Über hundert Barrikaden
ſind in der Altſtadt errichtet.


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