Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 10: Aufsätze aus verschiedenen Gebieten)
[1916]
Seite: 45
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw10/0045
1. Journaliſtiſch⸗Politiſches uſw. 45

Nach Gerüchten ſoll das preußiſche und ſächſiſche Militär bei
Erſtürmung einer Barrikade in der Schloßgaſſe fürchterliche Ver⸗
luſte erlitten haben, indem Freiberger Bergleute eine Mine vor der⸗
ſelben angelegt hatten und dieſelbe gerade, als die Truppen davor
waren, ſprengten.
— In Leipzig iſt es leider zu einem ganz zweckloſen Kampfe
gekommen. Die durch das etwas zweideutige Benehmen der ſtädti⸗
ſchen Behörden und durch eine demokratiſche Verſammlung aufge⸗
regten Maſſen griffen in der Nacht vom 6. Mai die Kommunalgarde
an; dieſe erwiderte den Angriff durch zahlreiches Gewehrfeuer; es
wurden Barrikaden gebaut, welche von den Kommunalgarden ge⸗
nommen wurden. Es gab mehrere Tote und Verwundete.
Der Dr. Göſchen, Vorſteher des deutſchen Vereins, iſt mit
einem Extrazug nach Braunſchweig entſendet worden, um 500 Mann
dortiger Truppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Leipzig
zu requirieren. — Die Leipziger Meſſe iſt infolge der jüngſten Er⸗
eigniſſe geſchloſſen worden.
— In Berlin hat man ſich wirklich entſ ſchloſſen, den Bürger⸗
krieg über Deutſchland hereinbrechen zu laſſen. Die „deutſche Re⸗
form“, die Zeitung des Miniſteriums, entwirft folgendes tröſtliche
Programm für die preußiſche und deutſche Zukunft:
„Die preußiſche Regierung wird die Aufgabe erfüllen, durch Ret⸗
tung des monarchiſchen Prinzips mit der Kraft des Schwertes zu⸗
gleich ganz Deutſchland vor der Republikaniſierung zu bewahren,
zu welcher die Verblendung und Halsſtarrigkeit der Paulskirche das
Vaterland zu führen im Begriff ſteht. Dann wird Preußen aber
auch das Recht erwerben, mit der Kraft des Schwertes die Be⸗
dingungen vorzuſchreiben, unter welchen eine gemeinſame Verfaſ⸗
ſung für Deutſchland zuſtande kommen ſoll.“
Preußen iſt leider, mit wenigen Ausnahmen, in einer tatenloſen
Trägheit gegenüber der allgemeinen Erhebung des übrigen Deutſch⸗
lands befangen. Nur in der Rheinprovinz regt ſich's lebhaft. Auch
in Magdeburg haben 3000 Bürger eine Erklärung abgegeben für die
Reichsverfaſſung und Nationalverſammlung, und proteſtieren gegen
einen Bürgerkrieg „um einer Handvoll Menſchen willen, die das
Vaterland bereits ausgeſtoßen hat“.
Wie es aber ſonſt noch in preußiſchen Gemütern ausſieht, beweiſt,
daß neulich in Münſter in Weſtfalen die Mehrzahl des Bürgerver⸗
eins, der etwa 400 Mitglieder zählt, als ein jüngeres Mitglied ein
Mißtrauensvotum gegen das Miniſterium Manteuffel⸗Brandenburg


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