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I. Journaliſtiſ ch⸗Politiſches uſw. 53
In kurzem werden die ſchwarz⸗rot⸗goldenen Fahnen luſtig durch
Jütland wehen. Der Einmarſch der deutſchen Truppen iſt beſchloſ⸗
ſen; ſchon hat das 10. ſchleswig⸗holſteiniſche Bataillon mit einer
Abteilung Kavallerie einen kühnen Patrouillengang bis nach der
jütiſchen Stadt Kolding gemacht, die von mehreren Bataillonen Dä⸗
nen beſetzt war; die Muſik ſpielte den Dänen „Schleswig⸗Holſtein
meerumſchlungen“ auf, die Soldaten ſangen friſch dazu, und nach
vollendeter Rekognoſzierung marſchierten ſie wieder nach Haders⸗
leben zurück.
Fortwährend trafen neue Reichstruppen in den Herzogtümern
ein; die Direktion der Harburger Eiſenbahn hat Anweiſung erhalten,
ſich noch auf den Transport von 20 000 Mann nach Hamburg ge⸗
faßt zu machen.
Der däniſche Kriegsminiſter Hanſen iſt indes in Kopenhagen ein⸗
getroffen und hat neun, ſage neun gefangene deutſche Soldaten, die
da und dort auf Vorpoſten abgeſchnitten wurden, mitgebracht, wahr⸗
ſcheinlich, um den Dänen neuen Mut einzuflößen und ſie vergeſſen
zu machen, daß bereits über 1000 ihrer Leute in Rendsburg unter⸗
gebracht ſind.
An der untern Weſer hält ſich der Landſturm bereit, um einen
etwaigen Landungsverſuch der Dänen gehörig heimzuſchicken. Es
ſind nämlich bei Helgoland mehrere däniſ che Kriegsſchiffe mit Trup⸗
pen geſehen worden.
(Aus Nr. 66:) Wem's gegenwärtig trüb zumute iſt, der muß die
Nachrichten aus Schleswig leſen, die machen das Herz wieder friſch
und geſund. Deutſche Tapferkeit und deutſcher Mut haben wieder
neue glänzende Waffenproben abgelegt. Wir teilen den näheren Be⸗
richt über die Erſtürmung der Düppeler Schanzen mit; die deutſchen
Truppen haben mit ihrem heldenmütigen Bajonettangriff einen Sieg
erfochten, der von bleibendem Erfolg für den ganzen Krieg iſt, denn
durch die Wegnahme dieſer Schanzen, die den Übergang nach der
Inſel Alſen beherrſchen, iſt den Dänen jetzt das Handwerk gelegt,
durch fortwährende Überfälle und Raubzüge, die, ſobald eine größere
Truppenzahl gegen ſie anrückte, mit ſchleunigem, aber ſicherem Rück⸗
zug endigten, den Krieg in die Länge zu ziehen. Die Frankfurter
Oberpoſtamtszeitung ſchreibt: Schon am 12. d. M. mittags war
im Kriegsrate der bayriſchen und ſächſiſchen Heerführer ein Sturm
auf die Düppeler Schanzen beſchloſſen worden, und mit wahrer
Kampfesluſt nahmen die Truppen die Order auf, ſich zum Vor⸗
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